Wälder am Wasser

Nachdem Sie am Wisentturm etwas von „azonaler Vegetation“ gehört haben, stehen Sie nun mitten drin. Hier im Schwarzbachtal ist die Vegetation weniger vom vorherrschenden Großklima als vielmehr von den Bodenverhältnissen bestimmt. Der mäandrierende Schwarzbach ist Teil eines verzweigten Bachsystems mit mehreren Quellbächen, der immer wieder seine kleine Aue überschwemmt und für wassergesättigte Böden sorgt. Diese meidet die Buche, und deshalb stockt hier ein teils vermoorter Schwarzerlen-Auwald.

Auch der Schwarzerle das Klima nicht egal. Während ihre „Kollegen“, die Grün- und vermutlich auch die Grauerle, die Eiszeit nördlich der Alpen überdauerten, hatte sich die Schwarzerle in dieser Zeit nach Süd-Russland zurückgezogen und sich in der Nacheiszeit von dort erst relativ spät wieder nach Westen hin ausgebreitet. Noch heute ist sie eine Baumart, die zu ihrem Gedeihen ausreichend Wärme in der Vegetationszeit benötigt. Daher ist ihre Höhenausbreitung in Mitteleuropa auch begrenzt und reicht nur bis in die mittleren Berglagen, auf knapp über 1.000 Meter Meereshöhe. In höheren Lagen sind ihr die Sommer zu kühl und wolkenreich.

Keine einheimische Baumart ist besser in der Lage, auf nassen Standorten zu gedeihen und die Gewässerufer zu sichern, als die Schwarzerle. Bei Überflutung und in wassergesättigten, sauerstofflosen Schichten versorgen die Erlen ihre Wurzeln aktiv mit Sauerstoff. Dabei wird die Luft, die über die auffallend großen Korkporen am unteren Stamm in das Gewebe eintritt, über gasgefüllte Hohlräume zwischen den Zellen bis in die Spitzen der Wurzeln geleitet.

Gut ausgebildete bachbegleitende Erlen-Auwälder sind heute aufgrund von Rodung, Begradigung von Bachläufen oder durch Umwandlung in Fichtenforste eine Seltenheit. Am ehesten sind sie noch, wie hier, in engen Kerbtälern der Mittelgebirge erhalten geblieben, die auch heute noch überwiegend als Waldstandorte genutzt werden. Das Schwarzbachtal ist daher als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden.

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