Quellen – Heimat für Spezialisten

Von der Axelquelle kommend sind Sie nun an der Lennartquelle angekommen. Auch hier befinden Sie sich noch im Quellbereich, auch wenn das oberhalb aus dem Berg sickernde Rinnsal inzwischen zu einem kleinen Bach ausgewachsen ist.

Wie Sie erkennen können, unterscheiden sich die Verhältnisse im unmittelbaren Nahbereich des Quellbachs vom Umfeld. Die kleinklimatischen Verhältnisse sind hier deutlich anders als in der Umgebung. In heißen Sommern, besonders an den Quellmündern, sind Quellen kleine kühlende Oasen und im Winter Wärmeinseln, auf denen das Wasser auch bei frostigen Außentemperaturen nicht gefriert.

Quellen sind nicht nur Wasserspender, sondern auch Quellen vielfältigen Lebens. Im Zuge der Evolution haben sich viele Tier- und Pflanzenarten an die stabilen Temperaturverhältnisse und die sich kaum verändernden Sauerstoff- und Mineralstoffgehalte angepasst. Manche Arten leben teilweise ausschließlich in den Lebensräumen von Quellen und Quellbächen. Aufgrund der stetig kühlen Wassertemperatur können sogar Organismen aus den Eiszeiten in Quellen überdauern und es wurden Jahrmillionen alte urzeitliche Lebewesen gefunden.

Während Pflanzenarten, die an Quellen wachsen, auch andere Lebensräume besiedeln, ist die Tierwelt zum Teil hochspezialisiert. Knapp 500 Arten, die ausschließlich in Quellen vorkommen sind bekannt. Zum Beispiel Arten aus der Gruppe der Strudelwürmer, der Wassermilben, kleine Schnecken und verschiedene Insektenlarven. Quellspezialisten sind an die Konstanz der Lebensverhältnisse angepasst und reagieren meist sehr empfindlich auf geringfügige Veränderungen ihres Lebensraums. Deshalb stehen viele auf den Roten Listen der gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Arten.
Zu den hochspezialisierten Organismen gesellen sich zahlreiche weniger spezialisierte strömungs- und feuchteliebende Arten der Quellbachregionen oder Arten der „feuchten Steine“, die im hauchdünnen Wasserfilm überrieselter Steine, Felsen oder Pflanzen leben. Auch der Feuersalamander, der sich bei feuchter Witterung immer wieder im Naturpark sichten lässt, nutzt Quellbereiche als Lebensraum und Kinderstube.

Da insbesondere nicht gefasste Quellen eine große ökologische Bedeutung für die Artenvielfalt haben bedürfen sie, vor dem Hintergrund des Klimawandels erhöhten Schutz. In ihnen konnten bislang keine Veränderungen dokumentiert werden, die sich auf den Klimawandel zurückführen lassen. Dennoch ist zu befürchten, dass sich mit steigenden Mittelwerten der Lufttemperatur auch die Wassertemperaturen der Quellen verändern. Arten, die sich an diese geringen Veränderungen nicht anpassen können, werden dann verschwinden.

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