Vom Wisentturm aus können Sie den Blick über den südlichen Teil des Eggegebirges schweifen lassen. Großflächige Wälder entlang der Mittelgebirgshänge umgeben die Wiesen und Weiden rund um das Kloster Hardehausen.
Die vor Ihnen liegende Landschaft ist ein Spiegel vielfältiger Einflüsse. Die Gesteinsschichten des Gebirges aus Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper stammen aus dem Erdmittelalter, aus Jura und Kreide. An den schroffen Sandsteinklippen und im Blockschuttmeer, zeigt sich das Gestein ganz unmittelbar. Tektonische Vorgänge, das heißt Bewegungen der Erdkruste, bewegten die Gesteinsschichten und bildeten das grobe Relief der Oberfläche aus.
Das geologischen Rohmaterial wurde stark vom Klima geprägt. Stetige Erosion durch Wind, Niederschläge, Wasser und vor allem die Eiszeiten formten die heutige Landschaft. Während der Saaleeiszeit vor über 200.000 Jahren drang aus dem heutigen Skandinavien ein Eisstrom nach Norddeutschland, der sich bis an die Mittelgebirge und in die Münsterländer Bucht erstreckte. Dabei wurde sogar der westliche Teil des Teutoburger Waldes vom Eis überwunden. Der Eisrand, also die Grenze der Gletscherausdehnung, verlief etwas nördlich von hier bei Detmold. Als es wieder wärmer wurde, formten die Wassermassen der abschmelzenden Gletscher die Landschaft. Wasser und Wind verlagerten große Mengen an Sand und Löss, die das Eis zurückgelassen hatte.
Nicht nur das historische, auch das aktuelle Klima bestimmt maßgeblich die Landschaft. Unter den heutigen Bedingungen würden ohne den Einfluss des Menschen in großen Teilen Mitteleuropas von Natur aus Buchenmischwälder vorherrschen. Besonders auf sandigen oder lehmigen Böden in trockeneren und wärmeren Lagen würde sich die Eiche, manchmal auch die Kiefer zur Buche gesellen. In nördlich exponierten Hanglagen kämen Esche oder Ahorn hinzu. Dauerhaft offene Flächen ohne Waldbestand wären die Ausnahme und auf besondere Standorte wie Moore oder Felsen beschränkt.
Entlang der KlimaErlebnisRoute rund um Hardehausen werden Sie an einigen Stellen sehen, dass nicht überall in Teutoburger Wald und Eggegebirge tatsächlich Buchen stehen. Daran hat die menschliche Nutzung wesentlichen Anteil. Aber auch natürliche Faktoren führen dazu, dass innerhalb der von ozeanischen Einflüssen geprägten Vegetationszone des Buchenwaldes andere Pflanzengesellschaften konkurrenzstärker sind. Für sie ist nicht das Klima der Region der ausschlaggebende Faktor. Sie sind vielmehr von den vorherrschenden Bodenverhältnissen geprägt. Eine solche „azonale“ Vegetation findet sich beispielsweise entlang von Bachläufen. Feuchte oder nasse Böden, regelmäßige Überschwemmungen oder Unterspülungen können dazu führen, dass Buchenwaldgesellschaften hier nicht dauerhaft wachsen. Stattdessen bestimmen Weiden, Erlen oder Eschen das Bild.

