Erlebnispunkt 9: Klima – ganz klein

Wo man hinschaut im Wald, überall wachsen Moose und Flechten. Wenn Sie mal genauer hinschauen, dann können Sie erkennen, dass Flechten, Moose, Algen und Pilze charakteristische räumliche Verteilungsmuster ausbilden. Schauen Sie sich mal den Baumstamm vor Ihnen ganz genau an. Die Flechten gedeihen nur an einer Seite, der Wetterseite. Dort ist der Stamm dem Wind und Niederschlag am stärksten ausgesetzt und es entwickeln sich Flechten in unterschiedlichsten Farben und Formen.

Flechten sind kein einzelner Organismus, sie sind eine Symbiose aus einem Pilz und einer Alge. Das heißt sie leben in einer Lebensgemeinschaft in der beide vom anderen profitieren und sie einander zum Überleben brauchen. In der Symbiose umspinnen die feinen, eng verschlungenen Pilzfäden die Algen oder dringen in diese ein. Auf diesem Wege können beide Lebenspartner Stoffe austauschen. Die Alge betreibt Photosynthese und bildet Stärke (Glucose), die dem Pilz als Lebensgrundlage dient. Als Gegenleistung bietet der Pilz der Alge Lebensraum und Schutz vor Austrocknung. Er ermöglicht der Alge damit ein Dasein in einem Lebensraum, den sie sonst nicht besiedeln könnte. Außerdem liefert der Pilz der Alge mineralische Stoffe. So ist es möglich, dass Flechten auch in den unwirtlichsten Lebensräumen wie beispielsweise auf nacktem Fels gedeihen können. Ein bisschen Wasser, ein bisschen Kohlenstoff aus angeflogenen Stäuben, vielleicht noch ein bisschen Stickstoff aus Vogelkot, ein bisschen Licht für die Photosynthese, saubere Luft in der Umgebung reichen ihnen aus.

Allerdings ist die Symbiose auch empfindlich gegen Störungen von außen. Ist einer der beiden Partner beeinträchtigt, leidet oder stirbt die Lebensgemeinschaft. Aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit werden Flechten auch als „Bioindikatoren“ zur Beurteilung der Luftqualität eingesetzt. Bereits geringe Luftverschmutzungen hinterlassen bei den Flechten Spuren durch Verfärbung und Wachstumsstörungen.

Mikro-Meso-Makro
Das Flechtenwachstum macht deutlich, dass Klima nicht nur großräumig wirkt und ganze Landschaften bildet oder die Vegetation formt. Klima ist auch ein ganz kleinräumiges Phänomen. Sonne und Schatten, die Exposition gegenüber Wind und Niederschlag, schafft das so genannte Mikroklima, das sich im Bereich bodennaher Luftschichten ausbildet. Mikroklimate entstehen zwischen einzelnen Bäumen, Felsen oder auch Häusern in Städten.
Von Mesoklima spricht man, wenn sich ein charakteristisches Klima über einige hundert Meter oder wenige hundert Kilometer ausbildet. Stadtklima und Waldinnenklima sind solche Mesoklimate.
Makro ist das Klima dann, wenn es über Entfernungen von mehr als 500 km als annähernd homogen beschrieben werden kann. Klimazonen wie das kühlgemäßigte Klima unserer Breiten, das polare Klima der Arktis und Antarktis oder auch das tropische Klima in Äquatornähe gehören zu den Makroklimaten.

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